Ophelia

Die Seelenflügel früh gestutzt, wird sie gelebt, wird sie benutzt vom lieben Bruder, Freund und Vater. Liebe – ein Thema für’s Theater! Da hängt sie ihren toten Traum gehorsam in den Weidenbaum, treibt keusch und lieblich in der Pfütze, Ophelia – zu nichts mehr nütze…

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Hände

Eng beschrieben hat sie das Leben, ein penibler Chronist, dass du den Händedruck, die Zärtlichkeiten und die geballten Fäuste niemals vergisst. Ausgeliefert Wind, Sonne und Regen, ein ehrwürdiges Dokument, dass du ergreifen und loslassen musstest, erbaut und zerstört hast, verknüpft und getrennt. Ruhelos dem gesprochenen Wort ein unermüdlicher Kommentar. So fügt sich noch immer Zeile…

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Tagträumerei

Die Arbeit lass‘ ich liegen, setz mich ans Fenster und schau dem Regen zu, stell mir vor, ich bin bei dir: Die Schuhe aus, die Beine hochgezogen, Tee in der Tasse, vielleicht die Gitarre im Arm. Du hörst mir zu, ich schau dich an so froh, dass es dich gibt. Ich will bei dir sein!…

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Dürre

Zu viel Trockenheit – zu viel Sand – zu viel trockener Sand in meiner Syntax. Wenn es mir fehlt – wenn das Meer – wenn mir das Meer fehlt, rede ich Wüste. An dem Wüstenrand – an den Dünen – am verwüstenden Strand brechen die Wörter: Zurück               kehren Zurück               kehren Zurück               kehren…

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Abschied

Bei den letzten Vorbereitungen schau ich deinen Händen zu – stumm. Der Druck im Hals verhindert Abschiedsfloskeln. Unsere Augen sprechen miteinander, unsere Hände umarmen sich, wir stehen untätig daneben. Die gestaute Spannung entlädt sich heiß sekundenlang Wange an Wange gepresst. Ein hilfloser Kuss rechts – links. Glück und Schmerz ertrinken gemeinsam in Tränen. Wie lange…

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